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Bachfest: Goldbergvariationen faszinieren Zuschauer

alfredoPerl

Alfredo Perl ist nach dem anderthalb-stündigen Konzert geschafft, das Publikum im Konzerthaus fasziniert von seiner beeindruckenden Interpretation

Es ist nicht alles Gold, was glänzt – das wissen wir seit Paganini. Doch die Goldbergvariationen von Johann Sebastian Bach sind das 24-karätige Golddiadem der Variationsliteratur, das bis in die heutige Zeit strahlt. Jeder, der dieses Stück hört, wird von seiner Vielseitigkeit begeistert sein. Jeder, der dieses Stück spielt, muss ein brillanter Pianist sein – virtuos und intelligent.
Alfredo Perl erfüllt diese Eigenschaften voll. Seine auf direkte Art beeindruckende Interpretation verleitete das Publikum im Konzerthaus am Sonntag zu Standing Ovations. Aber dieser tiefe Eindruck, die seine Performance hinterließ, gründete sich nicht nur auf die atemberaubende Fertigkeit auf dem Klavier. Da war noch etwas anderes…

Bis heute streiten sich die Geister, was der Anlass für die Goldbergvariationen war – den Namen jedenfalls erhielten sie nach einer Anekdote. Nach dieser wurde Bach beauftragt, für den Cembalisten (namens Goldberg) eines mit ihm befreundeten Grafen ein Stück zu komponieren, die der Musiker ihm in schlaflosen Nächten vorspielen sollte. Bach entschied sich für die Variationsform. Das heißt, er nahm ein Thema (eine Melodie, Akkordfolge) zum Vorbild und leitete von diesem Veränderungen ab. Daraus sind 30 Variationen entstanden, die zu den heute so genannten „Goldbergvariationen“ zusammengefasst werden.
Bis heute trauen sich nur die besten, besonders reifen Pianisten an dieses Monumentalwerk. Der Detmolder Professor für Klavier Alfredo Perl spielte dieses Werk in diesem Sinne mit Demut. Sein Spiel war konzentriert und zog das Publikum, ob es wollte oder nicht, in seinen Bann (ich hätte fast meine Berichterstattung vergessen). Perl sprach für Bach unglaublich direkt. Aber es wäre nicht Bach, hätte er nicht auch strenge, komplizierte Passagen eingebaut. Perl bewies in diesen Variationen seinen Intellekt – er zeigte nicht nur eine ausgetüftelte Interpretation, nein, unter seinen goldenen Händen bekamen die Goldbergvariationen eine nachdenkliche Konnotation. Er schaffte es, die Faszination, die in dem Werk Bachs steckt, voll zu entfalten. So verband er die empfindsame Seite mit der strengen, leicht melancholischen Technokratie und lebensfroher Verspieltheit.
Deshalb kam der minutenlange Applaus völlig gerechtfertigt. Die älteren Menschen im Konzertsaal (in der Überzahl) und die jungen waren beeindruckt. Das zeigt sich darin, dass die berühmte Stecknadel-Stille, die während des Konzertes geherrscht hatte noch lange nachhielt. So ziemlich das Gegenteil eines Metal-Konzertes. Aber die Zuschauer schienen genauso paralysiert.

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