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Bachfest: Bach einmal „vielfarbig“

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Grzegorz Stopa (l.) und Alexander Gebert begeistern mit ihrer Bachversion auf dem Cello und Akkordeon das Publikum (Foto: PL)

Bach – Lehrer und Gelehrter: Bei diesem Motto darf natürlich auch nicht fehlen, dass Lehrende der Musikhochschule Detmold sich dem Rampenlicht aussetzen und im Konzerthaus am Montag ihr Können präsentieren. Dabei haben die Veranstalter Wert auf einen buntes Programm gelegt, sodass das Publikum unter Moderation von Joachim Thalmann Bach von verschiedenen Seiten kennenlernten. Der Abend, an dem ein Highlight dem nächsten folgte, zeigte nicht nur, dass die HfM Detmold sehr gute Dozenten hat, sondern auch einmal andere Facetten Bachs, die zum Vorschein kommen, wenn seine Werke in einer anderen Besetzung gespielt werden.


Das Konzert begann rustikal; als erstes stand die Triosonate für zwei Blockföten, Viola da Gamba und Cembalo auf dem Programm (Moment… Ja Richtig! Obwohl vier Instrumente spielen, spricht man von einer Triosonate. Das Trio bezieht sich auf die 2 Melodieinstrumente und den Bass, der hier von der Gambe und dem Cembalo übernommen wurde. Eine Gambe ist übrigens „eine Art Cello“ mit sechs Saiten und Bünden). Die vier Musiker gestalteten einen gebührenden Auftakt zum Konzert.

Nadja Naumova, eine überaus talentierte Pianistin aus Russland, bot einen Ausschnitt aus Bachs Klavierschaffen dar. Die Dozentin für Korrepetition konnte durch ihre Virtuosität und ihren Kultivierten Anschlag den Übungsstücken wie Inventionen und Sinfonias wahren Hörgenuss entlocken. Diese Übungen zur „Ausbildung eines kantablen Spiels“ sind ein Klassiker der Klavierliteratur – da muss jeder Schüler einmal durch. Umso schöner ist es, diese Perlen einmal professionell und „vielfarbig“ zu hören.

Der heutige Duktus der Interpretationen von barocker Musik ist eine historische Aufführungspraxis. Wenn Alexander Gebert, Violoncello, und Grzegorz Stopa, Akkordeon, die Sonate für Gambe und Cembalo BWV 1027 spielen, ist das dieser am Original orientierten Aufführungsart diametral entgegengesetzt. Das Cello, elegischer im Klang, und das obertonreiche Akkordeon heben andere Aspekte der Bach-Musik hervor. Hervorzuheben ist der dritte Satz, Andante, der auf dem Akkordeon die Melancholie greifbar macht. Eine außergewöhnliche Besetzung, aber ebenso perfekt gespielt durch die Detmolder Professoren Stopa und Gebert, der, obwohl erst seit letzen Sommer in Detmold, bereits ein festes Format in Detmold darstellt.

Zur Pause delektierten Markus Köhler, Gesang, und Miroslav Kroupa am Klavier das Publikum mit drei geistlichen Lieder aus Schemellis Gesangsbuch.
Nach der Pause entführte der Klavierprofessor Hartmut Schneider die Menschen in die Musikwelt Bachs mit zwei Transkriptionen von Bachs Choralvorspielen. Diese Arrangements hat Ferruccio Busoni angefertigt; der Spätromantiker vermochte mit seiner Version, romantische Züge in Bachs Musik zu offenbaren. Schneider behielt doch stets Bach im Auge und spielte äußerst polymorph – seine Trennung der Stimmen und deren unterschiedliche Gestaltung gaben dem Stück höchste Ausdruckskraft.

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Ah Ruem Ahn (r.), Klavier, versteckt sich völlig zu Unrecht hinter dem Notenständer. Links: János Bálint, Flöte

Die Sonate für Flöte in h-moll, eigentlich ein spätbarockes Werk, hätte auch von einem romantischen Komponisten sein können. János Bálint, Professor für Flöte, gab dem Stück jeden Ernst, dem es gebührt. Zusammen mit der Ah Ruem Ahn, der Ausnahmepianistin aus Korea, die im Januar 2013 mit 27 Jahren ihr USA-Debut in der Carnegie-Hall gab, wurden wunderschöne, komplexe Klanggebilde geschaffen. Die fulminante Aufführung löste im Publikum – völlig zurecht – wahre Begeisterungsstürme aus.

Joachim Thalmann moderierte durch den Abend.

Joachim Thalmann moderierte durch den Abend.

Als letzten „Leckerbissen“ spielte Martin Sander eine Rekomposition einer von Bach nicht vollendeten Fantasie und Fuge (BWV 573 und BWV 547,2) für Orgel. Diese Rekomposition, eine „etwas anspruchsvollere Denksportaufgabe“, wie Joachim Thalmann es in der Anmoderation nannte, stammt von Klaus Schubert, einen detmolder Musikwissenschaftler.
So endete das Dozentenkonzert mit der Königin der Instrumente und schloss damit einen „vielfarbigen“ Abend, wie Thalmann es angekündigt hatte, ab.

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