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Tonmeister wird man nicht einfach so

Vom Bindeglied zwischen Musik und Technik

Kaum ein Beruf  verbindet so scheinbar kontrastreiche Gebiete wie Musik, Technik und Physik. Wie der Schüler Fabian Lalla suchen viele ihren Weg ins Aufnahmestudio.

Fabian Lalla, Schüler des Stadtgymnasium Detmolds, sprintet die Treppen zum Pädagogik-Haus der Musikhochschule herauf. Er möchte rechtzeitig zum Vorbereitungskurs für die Aufnahmeprüfung kommen, denn sein Plan ist es, Tonmeister zu werden.

Tonmeister leiten Aufnahmen von Konzerten oder CDs. Das heißt, sie bereiten die Produktion vor, beraten die Musiker künstlerisch und machen die Postproduktion. Außerdem mischen an großen Mischpulten einzelne Spuren so zusammen, dass ein optimales Klangbild entsteht.

„Anders als bei anderen musikalischen Studiengängen muss ein Tonmeister ein wahres Multitalent sein“, verrät uns der Schüler, „Physik lerne ich in der Schule. In meiner Freizeit aber muss ich mein Gehör schulen, meine Kenntnisse über Musiktheorie ausweiten und meine Instrumente üben“
Warum er die Strapazen auf sich nimmt? Darauf kann Fabian ganz klar antworten „Meine Leidenschaft ist die Musik, irgendwo bin ich aber auch Physiker. Diese beiden Bereiche üben einen unwiderstehlichen Reiz auf mich aus. Leider ist die Aufnahmeprüfung sehr schwer.“
Deshalb lernt der Klarinettist bereits jetzt fleißig für die Prüfung, die er erst nächstes Jahr in Detmold absolvieren wird. Detmold hat dafür super Voraussetzungen: Hier wurde die Tonmeisterausbildung „erfunden“. Erich Thienhaus richtete erstmals den Studiengang des Tonmeisters ein. Das von ihm gegründete Institut, wo die Tonmeister ausgebildet werden, ist heute nach ihm benannt.
Heute besitzt das Erich-Thienhaus-Haus (ETI) eine Fülle an hochwertig Ausrüstung, die den Studenten ein Studium unter den bestmöglichen Bedingungen ermöglicht. Die Detmolder Ausbildungsstätte hat zudem deutschlandweit großes Ansehen, jährlich treten viele junge Menschen die Aufnahmeprüfung zum Tonmeister in Detmold an.
„Trotzdem ist Tonmeister kein Modeberuf“, sagt Theresia Werner, selbst angehende Tonmeisterin, „Relativ zu Deutschland gesehen – neben Detmold kann man es nur in Berlin studieren – sind es dann doch eher wenige. Außerdem schaffen die meisten die Aufnahmeprüfung nicht.“ Die Studentin im zehnten Semester gibt zu Bedenken, dass man neben den fachlichen Kompetenzen noch weitere Eigenschaften mitbringen sollte: „Ein Tonmeister übernimmt während der Aufnahme viel Verantwortung und muss oft selbstständig arbeiten. Außerdem braucht er ästhetisches Bewusstsein, weil auf der einen Seite in die Aufnahme stets der eigene Geschmack einfließt, auf der anderen Seite er in der Lage sein sollte, der gleichen Ebene wie die Musiker zu kommunizieren. Er ist das Bindeglied zwischen Künstler und Technik.“

Das kann Fabian Lalla nicht durch bloßes üben lernen, das weiß er. Dafür braucht er Erfahrung, die er nur in der Praxis sammeln kann, denkt Lalla, als er Stifte und das Notenpapier auspackt. Jetzt widmet er sich erstmal der Musiktheorie.


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