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Flüchtlinge

„Es reicht schon, wenn die Einheimischen sich mit uns unterhalten“

Gesprächspartner aus zwei Welten: Alban und Tobias. Foto: Muer

Gesprächspartner aus zwei Welten: Flüchtling Alban Dega und ASB-Mitarbeiter Tobias Bockermann. Foto: Anna Muer

Detmold. Viele Detmolder unterstützen die Flüchtlinge in den ehemaligen Wohnblocks der britischen Soldaten. Zündstoff-Mitarbeiterin Anna Muer hat Helfer Tobias Bockermann (23) vom Arbeiter Samariter Bund (ASB) und Flüchtling Alban Dega (19) aus Albanien getroffen, um mit Ihnen über die aktuelle Lage vor Ort, Hilfen und Zukunftspläne zu sprechen.

Wie unterstützt Du die Flüchtlinge?
Tobias: Wir nennen Sie ‚Gäste‘ – es klingt viel positiver und wir wollen die Leute wie Gäste behandeln.

Ok, wie hilfst Du euren Gästen?
Tobias: Wir kümmern uns um deren Belange, wie beispielsweise bei Fragen zum Asylverfahren, bei Schwierigkeiten untereinander, die durch die angespannte Situation, Sprachbarrieren und durch unterschiedliche Nationalitäten entstehen.

Wie sieht das konkret aus?
Tobias: Da versuchen wir pädagogisch einzuwirken. Als Unterstützung stehen uns Dolmetscher zur Seite, zum Teil sind dies Gäste, die Deutsch oder Englisch beherrschen. So kann jedes Problem auf die ein oder andere Weise gelöst werden. Vor allem helfen wir bei spontan auftretenden Problemen, die sofort gelöst werden müssen, wie zum Beispiel wenn ein Heizkörper ausfällt. Eine Erzieherin kümmert sich um Kinder und Eltern. Ebenfalls ist eine Psychologin vor Ort, die sich um die traumatisierten Menschen kümmert.

Alban, dann kommst Du ins Spiel?
Alban: Ja. Ich engagiere mich nun als Helfer für die anderen Menschen. Das macht Spaß. Die Leute sehen mich als ‚großen Bruder‘ an, weil ich jederzeit die Belange übersetzen kann, diese an die anderen Helfer weiterleite. Sprachbarrieren sind ein Problem, aber glücklicherweise kann ich in diesem Punkt weiterhelfen.

Du bist auch Gast…
Tobias: Schnell gelernt…
Alban: Ich bin mit meinen Eltern und meinem Bruder nach Deutschland gekommen. In Albanien leben noch meine Tanten, Onkels und Freunde. Die Umstände in meinem Land sind sehr kritisch.

Wie geht’s Dir hier?
Alban: Ich war sehr traurig und wusste nicht, wie es weiter geht. Ich kannte mich nicht aus und wusste nicht, was ich machen sollte. Ich musste alles zurücklassen. Nach einiger Zeit habe ich mich eingelebt und diese Aufgabe als Übersetzter ist gut, weil ich etwas tun kann.

Wie schätzt Du die emotionale Lage der Menschen ein?
Tobias: Die emotionale Lage ist unterschiedlich. Viele Menschen sind traumatisiert. Die Ungewissheit und die Unsicherheiten im Gastland belasten alle .

Welche Unsicherheiten meinst Du genau. . .
Tobias: Unsicherheiten sind vorhanden, da unser gesellschaftliches System unbekannt ist. Banale Dinge, wie das Bedienen einer Lampe, das Trinken von Leitungswasser aus dem Wasserhahn erscheinen nicht als selbstverständlich. Reaktionen uns gegenüber fallen verschieden aus – die einen reagieren gereizt, andere verhalten sich distanziert.

Was machst Du dann?
Tobias: Aufklären und Hilfestellung leisten – auch mit Hilfe anderer Gäste, die als Brücke fungieren.

Trotzdem sind die Gäste wahrscheinlich froh über jegliche Unterstützung, oder?
Tobias: Auf jeden Fall. Die Dankbarkeit der Gäste drückt sich auf unterschiedliche Weise aus. Wir haben Gäste, die wie ‚Bitte‘ und ‚Danke‘, gelernt haben. Ein weiterer Aspekt ist das psychische Befinden der Gäste, das einen großen Einfluss auf die körperliche Gesundheit hat. Durch unsere und die Hilfe vieler Freiwilliger fühlen sie sich hier willkommen und ernst genommen. Das verbessert Geist und Körper und dann schmieden sie Zukunftspläne.

Welche Ziele hast Du für die Zukunft. . . .
Alban: Ich komme aus einer armen Familie und hatte aus finanziellen Gründen nie die Möglichkeit mich richtig auszubilden. Ich besitze keine berufliche Qualifikation, somit konnte ich keinen vernünftigen Beruf ausüben. Meine Mutter war sehr krank. Mein Traum ist es zu studieren.

Wo und welche Hilfen werden noch gebraucht?
Tobias: Benötigt werden Kleider-, Spielzeug- und Kinderwagenspenden. Man muss sich vor Augen führen, dass die Menschen nur mit ihrer Kleidung am Körper oder einer kleinen Tasche zu uns gekommen sind.
Alban: Es reicht schon, wenn die Einheimischen sich mit uns unterhalten, auch Ratschläge geben oder mit den Kindern spielen, um die triste Stimmung zu mindern.

One Comment

  1. Micha sagt:

    Flüchtlinge aus Albanien? Dort herrscht schon seit Jahren kein Krieg mehr. Finde es komisch, dass die Flüchtlinge gut zur Hälfte aus Ländern kommmen in denen es gar kein Krieg gibt!

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